Gedanken zu … Weihnachtskarten

Spam oder Spaß? Weihnachtssinn oder Wahnsinn?
Wann ist es Zeit ein Tradition zu überdenken?
Die Welt hat sich weitergedreht. Irgendwie wissen wir es, doch irgendwie ist es immer noch neu und ungewohnt, wenn es sich lauthals zu Wort meldet. Heute ist der 31. Oktober 2019 und morgen ist Feiertag in Köln. Ich spüre den nahenden Weihnachtsstress schon seit ein paar Tagen auf den Straßen … der Autos, der Fahrradfahrer, der e-Roller, der Hundespaziergänger, der Mamis, die mit dem Fahrrad ihre Sprößlinge – ebenfalls auf dem Fahrrad – abholen und durch die Stadt kommandieren. Die Nächte werden länger, die Tage kürzer. Die Jacke ist jetzt Pflicht und auch die Zeit Schuhe ohne Socken zu tragen ist seit ein paar Tagen definitiv vorbei. Es ist laut chinesischem Kalender jetzt offiziell der Vorwinter und damit ist in den Gemütern der Menschen der Stress und die Panik auf die nahende Weihnachtszeit ebenfalls offiziell.
Womit ich geschäftlich bei dem klassischen Gedanken der Weihnachtskarte bin. Diese Geste der Danke, Du mein Lieber Kunde für die Treue und den tollen Umsatz, den du mir und meinem Unternehmen geschenkt hast zu schreiben ist in den letzten Jahren bereits zu einem Papiermüllmonster transformiert worden. Diese einstige Geste der Authentizität und wahren Dankbarkeit ist in den vergangenen Jahren der erhöhten Technologiesierung mit Grafik- und Computertechnik schlichtweg eine Gelddruckmaschine für die Designbüros und Marketingabteilungen der Großunternehmen geworden. Die eigentlichen Menschen, die der Absender dieser Dankesbotschaft sein sollten suchen einfach kurz in ihrem Adressbuch ihre Kundenkontakte des laufenden Jahres heraus, geben es an die Assistentin, die es an die zuständige Marketingstelle weiterleitet – papierfrei und elektronisch natürlich – um dann, eingescannte Unterschriften von Menschen oder ganzen Abteilungen möglichst authentisch, wenn auch seelenlos auf die besagte Karte zu drucken. Meist noch mit einem schönen Zitat eines längst verstorbenen Menschen versehen, der zu seiner Zeit noch mit Federkiel und Tinte schrieb, um die Wertigkeit dieser dem Kunden nun vorliegenden physischen Weihnachtskarte nochmal ganz dick zu unterstreichen. Botschaft jetzt fühl’ Dich bitte gut lieber Kunde, wo Du jetzt gerade den historischen Weihnachts-Spam in den Händen hälst. Neue Technik infiziert alte Tradition – Spam mal in physischer Form und echt richtig teuer, aber inhaltlich leer.
Klar, viele sind in den letzten Jahren dazu übergegangen – wenn der Umsatz der Kunden es hergab – Schokokalender oder andere Annehmlichkeiten zu versenden. Doch der eine isst Low-Carb, der nächste vegan, der dritte aber nur Gluten-frei und so ließe die Kette sich endlos fortführen, somit müsste dem Kunden erst ein Allergiefragebogen zugesendet werden bevor man ihm ein essbares Weihnachtskartenpräsent zusenden darf. Damit ist dann natürlich der Freude-und-Überraschungseffekt weg. Und bei all der Diskussion über Nachhaltigkeit, No Plastik und Verpackungsprobleme auf unserem Planeten stellt sich mir ganz innerlich die Frage, welchen höheren Sinn und Mehrwert hat ein künstlicher generierter Papiermüllberg mit einer Lebensdauer von 4 Adventswochen sowie ein Stück Schokolade, dass gefühlt das 10-fache von dem Kostet, was es sonst im Laden nebenan, selbst im Bioladen kostet. Die einzige Branchen, die sich so richtig über diese Tradition freuen sind die Papierhersteller, die Druckereien, die Marketingabteilungen und im letzteren Fall die, die Standardschokolade in richtig Teuer verpacken und pressen nur weil ein Weihnachtsmann drauf ist oder die unendlich kleine Schokolade in 24 Portionen hinter 24 Papiertürchen versteckt wird, und last but not least, die Post oder die Paketzusteller natürlich. Doch die 2 Menschen, die es eigentlich angeht, nämlich der, der Danke sagen möchte und der, der das Danke empfangen sollte, die zwei haben in dieser langen Kette irgendwie erstaunlich wenig Präsenz. Also, Spam in physischer Form.
Ist die Weihnachtskarte so etwas wie die Schallplatte – wunderbar in der Erinnerung, aber im praktischen Umgang einfach schrecklich unpraktisch? Und nur noch etwas für Nostaliker? oder jene, die Tradtionsverbunden sind?
Wie ihr merkt, habe ich eine echte, für mich befriedigende Antwort in 2019 nicht finden können – es gab ja keine Weihnachtskarte von mir –, da halte ich, jetzt, doch einfach mit der Mode und Schreibe eine individuelle WhatsAPP, die von Herzen kommt und verschenke diese kleine Geschichte für einen amüsanten Weihnachtsmoment, kurz vor Kirche, Schmorbraten, Fisch und Familienrunden, sobald die Sonne gleich untergeht und wir die Heilige und Stille Nacht gemeinsam mit unseren Lieben feiern.

Alles Liebe, Eure Julia.

written by Julia Hudemann, 10/2019